Ich wurde am 1. Januar 1970 im Saarland geboren und ich muss schon immer etwas mehr auf den Rippen gehabt haben als andere Kinder meines Alters.
Als ich 5 Jahre alt war zogen meine Eltern mit mir nach Kamerun/Afrika. Hier fangen meine Erinnerungen auch an deutlich zu werden. Das war für mich eine sehr schöne Zeit. Auf Bildern aus dieser Zeit sehe ich ziemlich schlank aus. Ich würde mich als “normal” bezeichnen, aber sehen Sie selbst…
Als ich 10 Jahre alt war, ließen sich meine Eltern scheiden und ich zog mit meiner Mutter zurück nach Deutschland! Ich kann mich eigentlich nicht an eine “Übergangszeit” erinnern, aber hier war ich irgendwie schon immer dick!
Ich habe keine Ahnung wie das so schnell passieren konnte, aber schon am ersten Tag in der deutschen Schule, war ich “der Dicke”. Das war aber nicht wirklich wichtig, denn “der Dicke” war auch auf einer Karate-Schule und hat sich nach anfänglichem Zögern recht erfolgreich gewehrt.
In meiner Familie wurden Stimmen laut, die meinen Großeltern und ihrer guten Küche die Schuld für mein Übergewicht gaben. Diese Aussage kann ich bis heute nicht so stehen lassen.
In den kommenden Jahren war ich ziemlich sorglos in Bezug auf mein Gewicht. Ich hatte einfach andere Prioritäten. Sowohl meine Eltern als auch meine Großeltern wollten mich mit diversen attraktiven Angeboten dazu bringen eine Diät durchzuhalten, aber ich war nicht zu motivieren.
Meine Probleme fingen erst an, als ich so 15-16 Jahre alt war und das mit den Frauen herausgefunden hatte. Bei dieser Gelegenheit stellte ich auch fest, das unsere Haushaltswaage (max. 120 kg) nicht mehr für mich geeignet war! Ich hatte also wirklich ein Problem!
Trotz Übergewicht und anfänglichen Schwierigkeiten kam ich zu einer Freundin und fand auch alles heraus was mich so interessierte. Mit 17 Jahren war mir dann ganz klar, dass ich das alles auch viel einfacher haben könnte, wenn ich nur abnehmen würde! Ich hatte also ein Ziel und endlich auch eine gute Motivation. Mit der Hilfe meines Arztes wurde mir eine Kur von 6 Wochen bewilligt!
Ich ging also in Kur. Die Klinik hatte auch eine Waage, die für mich geeignet war und ich wog beachtliche 142 kg! Ich erzielte in den ersten 6 Wochen gute Erfolge, so dass die Krankenkasse mir weitere 6 Wochen bewilligte. Am Ende wog ich genau 110 kg und ich war richtig glücklich.
Die Mühe hatte sich gelohnt, es war alles viel einfacher. Ich lebte nach der Kur aber genauso weiter wie vorher und nach knapp einem Jahr hatte ich auch wieder mein altes Gewicht… glaubte ich jedenfalls… Sie wissen ja, die Haushaltswaage für “Amateure” half mir nicht weiter…
Mit 19 besuchte ich meinen Vater in Afrika. Aufgrund “politischer Probleme” war der Flughafen einige Wochen nicht in Betrieb und ich blieb 8, statt der üblichen 2 Wochen dort. Ich habe in dieser Zeit keine Diät gemacht aber dennoch über 16 kg abgenommen… einfach so, ganz ohne Stress… Allerdings nahm ich diese in Deutschland ebenso schnell wieder zu! Ich stelle mir heute noch die Frage woran das liegt… Am Klima? Vielleicht sollte ich auswandern!?!?
In den folgenden Jahren passierte nichts Entscheidendes in Punkto Gewicht, ich war beruflich und privat abgelenkt und außerdem der Überzeugung nur abnehmen zu können, wenn ich mich auf sonst nichts konzentrieren müsste. Ich hatte dabei die Erinnerung an die Kur vor Augen und an die Motivation, die es für mich bedeuten würde ganz aus meinem Umfeld zu verschwinden und 3 Monate später, “schlank(er)”, wieder aufzutauchen. Die Sache war erstens in dieser Form nicht mehr durchführbar und zweitens war auch hier keine “Umstellung” meiner Person und Essgewohnheiten eingeplant. Diese Rechnung wäre also nie aufgegangen…
Ende 1996 verschlug es mich beruflich nach Hamburg. Das schien die Gelegenheit zu sein. Ich war raus aus meinem Umfeld und ich richtete mein Leben auf eine Diät ein! Einziges Problem: Ich hatte immer noch keine Waage die mit mir mithalten konnte. Ich habe also auf ein Maßband gesetzt und siehe da, es hat geklappt. Ich rechnete damit, dass ich in ein paar Wochen soweit sein müsste, dass meine Haushaltswaage wieder im Rennen ist. 1-2 Jahre wären da aber realistischer gewesen, wie ich heute weiß!
Es kam aber alles anders. Kurz nach dem Umzug spürte ich eine Schwäche in Armen und Beinen! 3 Tage später konnte ich schon keinen Kugelschreiber mehr festhalten und 2 Wochen später lag ich im Krankenhaus und meine gesamte Längsmuskulatur war gelähmt. Die Lähmung war vermutlich die Folge einer Virusinfektion. Genau sagen kann man das bis heute nicht, aber nach 3 Monaten schlug endlich eine Behandlung an und eine langsame Besserung war in Sicht. Ob ich jemals wieder ganz gesund werden würde konnte mir niemand sagen. Erst nach 9 Monaten war ich wieder im Stande ohne fremde Hilfe zu “leben” und auch wieder zu arbeiten. Während dieser Zeit war mir mein Gewicht dermaßen egal, das können Sie sich nicht vorstellen! Ich habe beträchtlich zugenommen.
Ende 1997 ging ich also wieder nach Hamburg und nahm wieder meine Arbeit auf. Ganz langsam rückten die Probleme und Behinderungen der Lähmung wieder in den Hintergrund. Ich war aber ein anderer Mensch geworden…
Ich habe erneut Maßnahmen gegen mein Übergewicht ergriffen. Ich war guter Dinge, denn ich hatte etwas Entscheidendes gelernt. Ich hatte gelernt die Zeit nicht mehr als Gegner, sondern als Verbündeten zu sehen. Konkret bedeutet das: Es ist zwar wichtig zu sehen was vor mir liegt und was ich ereichen will. Es ist aber noch viel wichtiger zu sehen, was ich bisher geschafft habe und zu wissen was ich in der kommenden Woche schaffen will, um mein großes Ziel Schritt für Schritt zu erreichen. Wenn ich es nur täglich schaffe dabeizubleiben, erledigt die Zeit für mich den Rest!
Ich musste also nur noch eine Methode finden abzunehmen, die es mir ermöglicht durchzuhalten, egal wie lange es dauert! Eine liebe Freundin, Katja (mittlerweile Ärztin), hat mir eine geeichte Waage vom Profi besorgt. Der Preis lag damals etwa bei 1000,-DM. Ich habe auch meine erste Excel-Tabelle zur Gewichtskontrolle entworfen um mich selbst zu motivieren. Diese Tabellen sind bis heute ein wesentlicher Bestandteil meiner Selbstkontrolle und Motivation.
Schockiert hatte mich aber zu dem Zeitpunkt vielmehr die Erkenntnis, dass ich über 180 kg gewogen habe. Damit hatte ich nicht gerechnet. Der Plan war also eine Diät durchzuziehen die entsprechend radikal war. Ich habe 800 kcal pro Tag angesetzt, am Wochenende bis zu 1200 kcal pro Tag. Das ganze habe ich durch eine Form der Trennkost unterstützt. Das Ergebnis: In 3 Monaten hatte ich 30 kg abgenommen!
Mein Fehler war folgender: Schon am ersten Tag der Diät freute ich mich auf den letzten Tag, um dann wieder normal essen zu können. Die Diät war zu radikal um sie lange durchzuhalten. Ich hätte es wissen können, aber ich wollte unbedingt von diesem Gewicht runter!
Um mein Gewicht nach der Diät zu halten, hatte Ich geplant normal zu essen und mir eine Gewichtsschwankung von ca. 5 kg zuzugestehen. Dann wollte ich wieder die Diät ansetzen um diese 5 kg abzunehmen. Dieser Plan hätte auch ohne den Zwischenfall nicht funktioniert, den ich jetzt schildern werde.
Noch bevor ich mein Wunschgewicht ereicht hatte, stürzte ich (im Büro) ziemlich unglücklich und musste eine Operation am linken Knie durchführen lassen. Ich war Ende 1998 für 3 Wochen im Krankenhaus, war aber insgesamt 3 Monate ans Bett gefesselt.
Dieser zweite Krankenhausaufenthalt hat mich irgendwie umgehauen. Ich war so richtig frustriert und ließ langsam aber sicher alles wieder schleifen. Am Ende des Jahres 1999 war ich also wieder da, wo ich angefangen hatte!
Ich habe Jahre gebraucht um mich wieder für einen neuen Start zu motivieren. Diesmal wollte ich aber anders vorgehen. Mir wurde klar, dass ich keinen Erfolg haben kann wenn ich meine Essgewohnheiten nicht dauerhaft umstelle. Ich habe noch nie viel gegessen, aber immer das falsche und oft aus dem falschen Grund und zur falschen Zeit! Weiterhin musste die Methode so einfach und praktikabel sein, wie nur irgend möglich um sie auch wirklich durchhalten zu können, bzw. um sie in Zukunft leben zu können.
Es ist auch keine Diät. Ich will versuchen meine Ernährung dauerhaft umzustellen! Ich fing einfach mal damit an und erzielte erste Erfolge. In den ersten 8 Wochen habe ich immerhin 8,2 kg an Gewicht verloren! Ich habe nicht einmal Kalorien gezählt! Ich war oft im Restaurant und hatte nicht ein einziges Mal schlechte Laune, weil ich auf etwas verzichtet habe.
Ich schränke mich mit Süßigkeiten ein und achte auf meine Getränke (viel Wasser oder Tee). Ich trenne Kohlenhydrate und Eiweiße und versuche weniger als 50g (optimaler weise nicht mehr als 20g) Fett pro Tag zu mir zu nehmen.
Wobei es mir auch nicht gelingt, diese Vorgaben täglich einzuhalten.
Diese Methode ist meines Erachtens praktikabel. Sie ist einfach und man muss definitiv nicht hungern. Man muss die Bereitschaft mitbringen seinen Geschmack etwas zu ändern und Ich schwöre Ihnen: Geschmack ist eine Gewohnheitssache.
Ich habe mein Essverhalten Schritt für Schritt geändert. Angefangen habe ich mit den Getränken und den Süßigkeiten. Das ist mir nicht schwer gefallen. Langsam habe ich es auf mein gesamtes Essverhalten ausgeweitet und baue auf die Zeit, mein neuer Verbündeter…
Soviel zur Ernährung…
Ich habe mittlerweile gelernt, dass ich ganz ohne Sport nicht erfolgreich sein werde. Ich muss also ein tägliches Sportprogramm in meinem Alltag einplanen.
Zwei Teilzeitstellen, eine davon mit Schichtdienst erschweren mir mein Vorhaben meinen Tagesablauf zu ritualisieren. Dieser berufliche “Ausnahmezustand” hält nun schon einige Jahre an und ist mir stets ein treuer Vorwand um nichts zu ändern.
Erst mit 38 Jahren werde ich mir der Parallelen zu einem Suchtverhalten bewusst. Ich werde mehr ändern müssen als nur meinen Tagesablauf.
Ich halte Sie auf dem laufenden.
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Obwohl ich es noch nciht geschafft habe, möchte Sie zumindest an meinen Teilerfolgen partizipieren lassen. In Fragen der Ernährung und Motivation, habe ich Lösungen gefunden die sicher auch für andere von Vorteil sein können.
Vielleicht ist es ja gerade das Teil des Puzzles dass jemand anderem fehlt.
